Barriquekeller Beltrame

Tazzelenghe: Mit Geduld zum Gaumenschmeichler

Sie sind wieder in aller Munde, die autochthonen Weine. Sie zeugen von einem neuen Bewusstsein hinsichtlich des eigenen Lebensraums. Wissen wir wieder mehr zu schätzen, was wir haben?

Update: Der Inhalt dieses Artikels beschreibt eine Geschichte, die wenige Monate nach Veröffentlichung bedauerlicherweise eine markante Veränderung erfahren hat. Cristian Beltrame ist nicht mehr Besitzer der Tenuta, daher haben die Weine unter den Nachfolgern einen neuen Namen bekommen. Dennoch möchte ich den Beitrag nicht löschen, weil er Cristian Beltrame und den Tazzelenghe würdigt und vor allem zeigt, dass das Ringen um das Gute manchmal anders ausgeht als gedacht.

Wer Tazzelenghe sagt, meint das Authentische, das Echte. Und dabei stoßen wir bei unseren südlichen Nachbarn in Friaul-Julisch Venetien ganz klar auf eines ihrer wichtigsten Produkte: den Wein. In keiner anderen italienischen Region ist der wirtschaftliche Anteil des Weins an der landwirtschaftlichen Produktion übrigens so hoch wie dort.

Besonderes Augenmerk wird heutzutage wieder auf die autochthonen Rebsorten gelegt. Quantitativ sind sie zwar in der Minderheit gegenüber den internationalen Rebsorten. Doch gerade die „alteingesessenen“, regionstypischen Weine machen den Unterschied: Sie sind Zeugnis des Bodens, der klimatischen Bedingungen und natürlich der Menschen, die sie herstellen. Bekannt und beliebt sind beispielsweise die Weißen Friulano und Ribolla Gialla, unter den Roten Refosco und Terrano.

Zu den selteneren, aber gleichzeitig herausragendsten autochthonen Weinen zählt der Tazzelenghe. Doch bedauerlicherweise steht er auf der roten Liste. Nicht nur der Farbe wegen, sondern weil er vom Aussterben bedroht ist. Aber das wäre wirklich jammerschade! Aus einer mittelgroßen, säuerlichen und eher spät reifenden Beere wird nämlich einer der robustesten, gehaltvollsten und auch charakteristischsten unter den Roten der Region.

Meine ältesten Tazzelenghe-Rebstöcke stammen aus 1993. Überhaupt überleben die Rebstöcke oft die Menschen.

Cristian Beltrame

Der Tazzelenghe ist bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgbar, von wo an er über 400 Jahre lang weit verbreitet war. 1978 wurde er gemeinsam mit seinen Brüdern im Geiste, dem Pignolo und dem Schioppettino, durch eine europäische Verordnung „gerettet“. Es war jene Zeit, als sich französische Rebsorten wie Merlot, Cabernet und Pinot anschickten, die internationale Weinwelt zu erobern.

Die Bezeichnung Tazzelenghe lässt jedenfalls schon erahnen, dass er kein „Lieber“ ist. Ein Zungenschneider ist er, tàce-lenghe (Friulanisch) oder taglia-lingua (Italienisch). Aber alles halb so wild. Es sind nur die Tannine gemeint, von denen seine Trauben reichlich enthalten. Diese Gerbstoffe legen sich auf die Zunge und lassen dieses adstringierende, also „zusammenziehende, pelzige, raue“ Gefühl zurück. Doch je länger ein Wein dieser Art reifen darf, desto besser werden die Tannine eingebunden – und der Wein wird „runder“.

Tazzelenghe-Trauben

So dauert es etwa bei Cristian Beltrame von der Tenuta Beltrame in Bagnaria Arsa, nach mehreren Stationen im Stahltank bzw. in Barrique- und Tonneaux-Fässern, mindestens fünf oder sechs Jahre, bevor der Tazzelenghe in den Verkauf kommt. Diese Geduld muss man schon haben!

Beltrames Familie stammt eigentlich aus Manzano, dort haben schon Vater, Großvater und Urgroßvater im kleineren Umfang Wein angebaut. Mit seinem schönen, historischen Weingut gleich vor den Toren Palmanovas ist Cristian heute einer der wenigen Tazzelenghe-Produzenten in Friaul. Die ältesten Reben stammen bei ihm aus 1993. Gemeinsam mit einer Gruppe von Winzer-Kollegen aus unterschiedlichen Weinbaugebieten hat er es sich zur Aufgabe gemacht, dieses besondere Stück Kulturgut zu bewahren – auf insgesamt nur 55 Hektar Anbaufläche.

Und weil wir von einem Wein mit Eigenschaften sprechen: Die Farbe des Tazzelenghe ist ein bestechliches Rubinrot, wenn er noch jung ist. Später zeigt er sich eher Dunkelrot mit violetten Anklängen. Er duftet häufig nach Unterholz, Tabak und Gewürzen, über Zunge und Gaumen fegt er mit Beeren- und Kräuternoten. Naturgemäß passt er perfekt zu deftigen friulanischen Gerichten wie Affettati, Geschmortem oder Wildgerichten und zu sehr reifem Käse. Und wird dann zu einem richtigen Gaumenschmeichler.

Mein Tipp: Kosten, um zu glauben! Um dann den edlen Tropfen leichten Herzens schätzen zu können.

Zu den Tazzelenghe-Produzenten in Friaul gehören:


Fotos: Osteria di Ramandolo (2), Nicole Richter

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