Terra Madre 2026: Biodiversität heißt auch Gerechtigkeit

Die italienische Stadt Turin mit ihren rund 850.000 Einwohnern bietet seit vielen Jahren die königliche Kulisse für die Terra Madre – Salone del Gusto, das große internationale Treffen der Slow-Food-Bewegung.

Im Jahr 1986 legte Carlo Petrini (1949–2026) den Grundstein für Slow Food. Die Initiative verstand sich als Gegenentwurf zum „Fast Life“ und setzte der Getriebenheit ein neues Bewusstsein für Langsamkeit und Genuss entgegen. 1989 wurde Slow Food offiziell zur internationalen Bewegung.

Heute steht Slow Food für „gut, sauber und fair“ – bezogen auf Lebensmittel ebenso wie auf die Menschen, die sie erzeugen. Entstanden ist daraus ein weltweites Netzwerk von Konsumenten, Produzenten, Köchen, Bauern und Gastronomen in mehr als 160 Ländern. Es geht dabei längst um weit mehr als gutes Essen: um den Erhalt von Wissen und Kulturtechniken, um Biodiversität, Landschaftspflege und eine faire und gesunde Lebensmittelproduktion.

Carlo Petrini konnte dieses 40-jährige Jubiläum selbst nicht mehr erleben. Die Terra Madre 2026 (von 24. bis 27. September) stand deshalb auch im Zeichen seines Vermächtnisses. Erstmals fand die Veranstaltung im Centro Storico Turins in diesem Umfang statt: Mehrere Plätze und viele Straßenzüge wurden für vier Tage zum riesigen Treffpunkt der internationalen Slow-Food-Welt.

Über 700 Produzenten präsentierten ihre Produkte, rund 1.500 Delegierte aus über 120 Ländern kamen aus dem weltweiten Terra-Madre-Netzwerk nach Turin. Dazu gab es mehr als 800 Programmpunkte – Konferenzen, Workshops, Degustationen – für interessiertes Publikum ebenso wie für Fachleute.

Im Mittelpunkt stand 2026 die Biodiversität – nicht nur jene der Pflanzen, Tiere und Lebensmittel, sondern auch der Menschen: Es geht um nichts weniger als kulturelle und soziale Vielfalt.

Ich persönlich nehme von solchen Veranstaltungen immer eine Fülle interessanter und lehrreicher Begegnungen und Gespräche mit. Etwa zum Thema Almbewirtschaftung, Lebensmittelsicherheit und die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft.

Natürlich geht es aber auch ums Verkosten: Meine persönlichen Notizen reichen von Safrantee aus Afghanistan über Craft Beer aus der Franciacorta, toskanischen Prosciutto crudo und japanischen Tee aus schwarzen Sojabohnen aus Hokkaido bis zu Vermouth aus Turin, scharfer Salami aus Kalabrien, Rohmilchkäse aus Gemona, Wein aus der autochthonen Rebsorte Erbaluce und Stockfisch mit Butter aus Norwegen. Und das ist nur eine kleine Auswahl.

Von Turin nehme ich aber noch etwas anderes mit. Begriffe, die bei Slow Food immer wieder auftauchen und zeigen, dass Genuss und Langsamkeit nicht beim Essen enden: Gerechtigkeit, Gesundheit und Frieden.

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