Gemüsestand Oswald Klagenfurt

Der Benediktinermarkt in Klagenfurt

Einer der schönsten Märkte im Alpen-Adria-Raum befindet sich in der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt: der Benediktinermarkt mitten in der Innenstadt, am Benediktinerplatz gelegen. Was ihn so besonders macht? Die Vielfalt einer Region, die hier ganz selbstverständlich über Grenzen hinweg zusammenkommt. Und eine bunte Gastronomie von der Hauben- bis zur Omaküche.

Ohne Markt bin ich’s nicht. Ein Leben ohne Markt ist für mich nicht vorstellbar. Ich gehe praktisch immer schon auf „den Markt“, wenn auch an vielen verschiedenen Orten. In meiner Kindheit gab es noch einen Garten mit Erbsen und Kohlrabi, Stachelbeeren und Ribiseln. Später waren es eben die Bauernmärkte in meiner Umgebung, die mir diese Art von Fülle boten – und mich bis heute jedes Mal aufs Neue begeistern. Eine Idee vom Schlaraffenland.

Besonders im Sommer liebe ich es, frühmorgens zum Benediktinermarkt in Klagenfurt zu gehen – oder besser: zu radeln. Es ist angenehm ruhig und noch etwas kühler. Man kann sich mit den Standlern unterhalten, womöglich über ein Rezept austauschen oder einfach über das Wetter. Später kann es hier schon ziemlich lebhaft zugehen, ein richtiges Gewurl geben, würde man auf gut Österreichisch sagen.

Wenn es am Markt voll wird

Am dichtesten wird es generell zu den Festtagen wie Ostern und Weihnachten. Da wird in Kärnten gerne aufgetischt, wenn sich die ganze Familie trifft. Also geht man am besten mit ordentlicher Einkaufsliste ausgestattet möglichst früh zum Markt, um auch das Gewünschte zu bekommen.

Gibt man nicht acht, kann es schon passieren, dass man mitgespült wird vom überbordenden Gedränge vor den Bergen an Gemüse und den Türmen von Osterschinken und Kärntner Reindling. Aber ja, es macht auch Spaß, manchmal ein paar Stunden auf dem Markt zuzubringen.

Schließlich kommt man nicht nur zum bloßen Einkaufen, denn zum Markterlebnis gehört weit mehr. Es ist das Schauen, Riechen und Schmecken, das Prüfen und Auswählen: Die Vielfalt am größten Klagenfurter Wochenmarkt ist beeindruckend. Naturgemäß verändert sie sich je nach Jahreszeit, denn „regional und saisonal“ stehen hier ganz besonders im Mittelpunkt.

Das Angebot ist bunt wie das Farbenspektrum auf den Tischen und umfasst eine Vielzahl von Lebensmitteln und Spezialitäten, vorwiegend aus dem Alpen-Adria-Raum: Frischfleisch etwa von Lamm, Wild und Pute, Forellen und Saiblinge, Selchwaren wie Würste und Speck, Topfen, Joghurt und Käse, Brot und Kuchen, Obst und Gemüse, Blumen und Kränze. Und dann gibt es noch Südfrüchte, Pasta und Parmesan aus Italien, Wein aus Slowenien, Käse aus Holland, Oliven aus Portugal – und noch unendlich viel mehr.

Wer den Markt zum Leben erweckt

Rund 120 „Marktbeschicker und Fieranten“ – hierzulande eben liebevoll „Standler“ genannt – versammeln sich regelmäßig donnerstags und samstags, also an den Markttagen, auf dem Benediktinerplatz und in den angrenzenden Straßenzügen. Es sind in erster Linie bäuerliche Betriebe, aber auch Gärtner und Händler. Zum Beispiel Barbara, Dragica und Elena. Bruno, Boris und Josef. Sie kommen aus Kärnten und der Steiermark, aus Sowenien, Friaul-Julisch Venetien und Sizilien, gesprochen wird aber auch Ungarisch, Niederländisch, Portugiesisch und so manch andere Sprache.

Viele der Marktfahrer sind im Umland von Klagenfurt zu Hause. Zu nachtschlafener Zeit, meist ab vier Uhr, beginnen sie, ihre Verkaufsstände aufzubauen. Dazu fahren sie mit Pkw und Anhänger, manchmal gar mit dem Traktor herbei, außerdem mit speziellen Fahrzeugen, in die der Marktstand bereits integriert ist.
Die Verkaufstische in der Mitte des Marktplatzes werden von ausladenden Schirmen vor Sonne und Regen geschützt. Rund um den Platz gibt es außerdem eine kleine Markthalle und einige feste Verkaufsstände.

Das Auge isst mit

Ein wahres Husarenstück scheint es mir, immer wieder alles an Ort und Stelle zu bringen und appetitlich zu präsentieren: Ein Marktplatz ist stets auch ein Fest für die Sinne. Wenn uns also beim Anblick der frischen Ware das Wasser im Mund zusammenläuft – dann wurde wohl alles richtig gemacht.

Ich jedenfalls kann den farbenfrohen und duftenden Verlockungen nur schwer widerstehen. Binnen Sekundenbruchteilen versuche ich mir vorzustellen, was aus dem einen oder anderen in meiner Küche entstehen könnte, schließlich liebe ich es zu kochen. Das Gehirn ruft blitzschnell passende Rezeptideen ab. Und sollte meine KI, nämlich die „kulinarische Intelligenz“, nicht gleich Antwort geben, kann ich daheim immer noch die Kochliteratur befragen. Schwups, schon landen bunte Mangoldblätter, gelbe Fleischtomaten, Kaninchenteile, ein paar Wachteleier oder Heidelbeeren in meiner Einkaufstasche.

Kulinarik auf dem Benediktinerplatz

Zum Einkauf auf dem Benediktinermarkt gehört für die Einheimischen aber noch etwas anderes – und zwar der Besuch in einem der Lokale rund um den Platz: Je nach Uhrzeit geht man auf einen Kaffee und vielleicht etwas Süßes, auf ein Glas Wein, auf ein feines oder rustikaleres Mittagsgericht – aus der Hauben- oder lieber der Omaküche.

So wird der Bogen weit gespannt: Safranrisotto, Wollschwein-Tagliata und flaumige Topfenknödel. Aber auch gefüllte Paprika, Ritschert, Rindsrouladen, Backhendl, Kärntner Nudeln – versteht sich – und Kaiserschmarren.

Wer das je erlebt hat, weiß: Dabei lässt sich auf herrlichste Weise das Markttreiben beobachten und zugleich die Geselligkeit genießen, die ein Marktplatz ebenfalls mit sich bringt.

Marktgeschichte und Wahrzeichen

Die lange Geschichte des Klagenfurter Markts beginnt mit der Verleihung des Marktrechts im 12. Jahrhundert. So steht es zumindest in den Geschichtsbüchern geschrieben. Einst gab es mehrere Marktplätze gleichzeitig, erst 1948 einigte man sich darauf, den Benediktinerplatz als zentralen Marktort festzulegen.

Wer neben dem Gustieren und Einkaufen noch aufmerksam ist, wird auch die beiden Wahrzeichen des Markts entdecken. Auf der Westseite des Platzes steht die Statue des „Steinernen Fischers“ – oder vielleicht doch eines Fischhändlers. Einer Sage nach wurde er zu Stein, weil er es mit der Waage nicht besonders genau genommen hatte. Die Darstellung aus 1606 besteht aus Kreuzbergl-Schiefer.

An zentraler Stelle befindet sich das sogenannte Marktrichterschwert, ein Rechtsdenkmal aus dem 18. Jahrhundert und „Symbol für Marktordnung und Marktfreiheit“. Mitsamt würfelförmiger, aber ungenauer Uhr und digitaler Temperaturanzeige ist es heute vor allem eines: ein idealer Treffpunkt.

Auch die Jungen kommen auf den Markt

Apropos, hier treffe ich jetzt Christine Behr aus Klagenfurt. Sie betreibt mit ihrem Mann Günter den wahrscheinlich größten Obst- und Gemüsestand des Markts. Jahrzehntelang waren sie unter der Woche täglich da, wegen Mitarbeitermangels mussten sie mittlerweile auf Donnerstag bis Samstag reduzieren.

Den Herbst mag Christine ganz besonders: „Es wird alles leichter, die Vorbereitungsarbeiten des ganzen Jahres sind abgeschlossen, jetzt kann abgeerntet werden.“ Der Umfang ihres Angebots spricht Bände: Ab sechs Uhr ist nach zweistündigem Aufbau alles bereit für die Kundschaft.

Besonders positiv sieht Christine, dass viele junge Leute gerne zum Einkaufen auf den Markt kommen. „Die unzähligen Kochsendungen im Fernsehen haben etwas Gutes“, sagt sie.

Einen Wunsch hat sie aber schon: Dass Marktgastronomie und Gärtner stärker zusammenarbeiten und mehr von dem, was rundherum wächst und am Markt angeboten wird, auch in den Küchen am Benediktinerplatz landet.

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Teamwork in der Familie

Ein Stück weiter: Irmgard Kitz. Sie kommt schon seit 30 Jahren auf den Markt, die Familie gar doppelt so lange. Ihr Wecker läutet zweimal die Woche um zwei Uhr – wenn in Klagenfurt Markttag ist. Mitten in der Nacht packt sie alles ganz frisch ein.

Eine Stunde später bestückt sie ihren Verkaufstisch: Da sind etwa Hühner, Enten, Gänse, Perlhühner, Wachteln, Kaninchen und Eier. Außerdem Honig. Die guten Produkte entstehen in gemeinsamer Arbeit mit ihrem Mann Günter, der sich hauptsächlich um die eigene Imkerei kümmert.

„Meine Lieblingsjahreszeit ist der Frühling, denn da bin ich geboren. Aber ich komme bei jeder Witterung auf den Markt, denn die Kunden schätzen die Verlässlichkeit.“ Und das viele Packen und Schleppen? „Das ist längst normal für mich. Jede Arbeit ist mit Arbeit verbunden“, sagt sie, und lacht – wie immer, wenn man sie auf dem Markt antrifft.

Ein Stück Friaul in Klagenfurt

In der Lidmanskygasse steht der gelbe Verkaufswagen von Francesco Finotti aus der Nachbarregion Friaul-Julisch Venetien. Seit mehr als 20 Jahren bringt er mit großer Begeisterung italienische Delikatessen auf den Markt nach Klagenfurt.

„Am Anfang war die Sprache ein Problem. Kunden verlangten zehn Tortelloni, das sind die großen gefüllten Nudeln. Aber ein Stück wiegt 70 Gramm, und man isst maximal zwei davon … Nur konnte ich schlecht Nein sagen, und erklären ging auch nicht“, erinnert er sich.

Heute hat Francesco immer ein charmantes Wort auf Deutsch parat, und einige Stammkunden lieben es umgekehrt, beim Einkaufen ihre Italienischkenntnisse hervorholen zu können.

Ein paar persönliche Markttipps

Abschließend noch einige ganz persönliche Tipps – bunt gemischt und angesichts der Vielfalt auf dem Benediktinermarkt natürlich höchst unvollständig:

Frau Zechner mit appetitlichen Hühnern vom Magdalensberg | Josef Lippitz mit würzigen Maischerln und Bratwürsten aus Grafenstein | Familie Oswald mit großer Gemüseauswahl und freundlichem Personal | Familie Weratschnig mit schmackhafter Sulze und luftgetrocknetem Schinkenspeck | Barbara Seebacher mit Biogemüse aus Klagenfurt, deren Betrieb seit über 70 Jahren auf dem Markt ist | Francesco mit den verführerischsten Zitrusfrüchten aus Sizilien | Familie Toschkov, Gärtner und Marktfahrer seit über 80 Jahren | Barbara Geith mit ihrem legendären „Trabe“-Sauerkraut, das für lange Schlangen sorgt | Goran Repac mit dem Obst- und Gemüsegeschäft am Eck, das auch unter der Woche bis zum Nachmittag geöffnet ist
Und schließlich: einfach der Nase nach und sich verführen lassen.

Marktplatz der Generationen

Viele der Marktfahrer kommen also schon seit Generationen auf den Benediktinermarkt, bei Hitze und bei Kälte, die meisten rund ums Jahr. Einige bringen längst ihre eigenen Kinder und Enkel zur Unterstützung im Verkauf mit. Das wiederum macht uns Kunden Hoffnung, dass der Markt als kulinarisches Zentrum – in Klagenfurt auch gerne „Bauch der Stadt“ genannt – weiterbesteht.

Denn ein Wochenmarkt ist weit mehr als ein Ort der Versorgung. Er ist Treffpunkt und Arbeitsplatz, ein Ort des Austauschs und der Begegnung. Und nicht zuletzt ein Stück gelebter Kultur.

Gut zu wissen: Benediktinermarkt Klagenfurt

  • Markttage: Donnerstag und Samstag, 6:00 bis 13:00 Uhr
  • Zusätzlich: Freitag von 6:00 bis 13:00 Uhr: Biomarkt in der Lidmanskygasse (südlich angrenzend zum Benediktinermarkt).
  • Markthalle Nord und fixe Marktgeschäfte Ost-, Süd- und Westseite: Montag bis Samstag von 9:00 bis 13:00 Uhr – und manche länger.
  • Eine beliebte Veranstaltung am Marktplatz ist der „After Work Markt“ mit Musik und Gastronomie in den Sommermonaten.
  • Weitere Wochenmärkte in Klagenfurt gibt es in Waidmannsdorf (Mittwoch und Samstag) und in Viktring (Freitag).
  • Tourismusportal der Stadt Klagenfurt: www.visitklagenfurt.at

Nicole Richter Evviva! Community

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